Unter der Kategorie “Rückblicke” soll hier auf vergangene Ereignisse hingewiesen werden, die für uns im Kreis aber auch für das gesamte Deutschland von Bedeutung waren bzw. die große Auswirkungen hatten oder noch haben. Ein Mitgestalten in Form von weiteren Beiträgen oder das Schreiben von Kommentaren zu bereits vorhandenen Beiträgen ist ausdrücklich erwünscht.
Der 15. Januar 1990 war ein wichtiger Tag innerhalb der friedlichen Revolution, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen war. Wir waren in der Marienkirche und hörten gespannt den Worten von Joachim Gauck zu. Er war ein Mann, den wir nicht kannten. Seine Worte waren uns jedoch vertraut. Er sprach all die Dinge an, die uns berührten, weckte Emotionen, auch Wut, um uns kurz danach zu beruhigen und damit friedlich zu stimmen. Gauck erhielt viel Beifall, aber es waren überall verstreut Einzelpersonen zu erkennen, die aufmerksam zuhörten, vielleicht auch geheim Aufnahmen anfertigten. Sie waren sicherlich noch für den “Staat” tätig.
Die anschließende Demonstartion führte – wie immer – zum Rathaus. Auf dem Neuen Markt standen wir dicht gedrängt und hörten den Worten der Redner zu, unter denen sich mit Axel Peters auch der spätere Landrat des Kreises Rostock-Land befand.
Mit bangen Gefühlen horchte ich zwischendurch in Richtung Steintor. Dort hatte sich die SED/PDS mit ihren Anhängern versammelt. Ob es zu einer Auseinandersetzung mit der Menschenmenge auf dem Neuen Markt kommen würde, war ungewiß. Zum Glück trafen unsere Befürchtungen nicht zu.
Vielleicht hatten die dort Versammelten inzwischen auch schon Kenntnis davon erhalten, daß in Berlin – sechs Wochen nach der Bestzung des Stasigebäudes in Rostock – die Berliner Hauptzentrale der Staatssicherheit in der Normannenstraße von einer riesigen Menschenmenge gestürmt wurde. Sie wollten die weitere Vernichtung von Unterlagen, die in vollem Gange war, verhindern. Einige unter den “Erstürmern” haben sich mit Sicherheit aus anderen Interessen beteiligt.

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