Interview mit Iris Hoffmann (MdB)

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Du bist Mitglied des Ortsvereins Kritzmow-Stäbelow und damit des Kreisverbandes Bad Doberan und seit sieben Jahren Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Dort vertrittst Du die Hansestadt Wismar sowie die Landkreise Nordwestmecklenburg und Parchim.
Wie wurdest Du Abgeordnete?

Ich bin ja eigentlich relativ spät zur Politik gekommen: 1990 wurde ich Amtsleiterin der Kämmerei im Landkreis Rostock-Land und aus dieser Tätigkeit hat sich eine enge kommunalpolitische Zusammenarbeit mit der SPD-Kreistagsfraktion entwickelt. Dadurch habe ich Freude daran gewonnen, Politik aktiv mitzugestalten. Deshalb bin ich dann zur Jahreswende 1990/91 in die SPD eingetreten und habe in den folgenden Jahren viele verschiedene Funktionen im Ortsverein, im Kreisverband und später auch im Landesverband wahrgenommen. Mein Schwerpunkt waren dabei immer finanzpolitische Themen. Heute bin ich noch Schatzmeisterin der Landes-SPD.
1998 wurde ich dann als Bundestagskandidatin aufgestellt und bin auch direkt gewählt worden; übrigens damals mit dem besten Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern, was mich schon ein bisschen Stolz gemacht hat. Im Bundestag bin ich meinem finanzpolitischen Schwerpunkt treu geblieben und Mitglied des Haushaltsausschusses geworden. Ich lege vor allem aber auch viel Wert darauf, Abgeordnete für meinen Wahlkreis und die Region zu sein.

Welche Aufgaben gehören zu Deiner Wahlkreisarbeit?

Mir ist es überaus wichtig den Kontakt zu den Bürgern meines Wahlkreises zu halten und zu pflegen, Meinungen und Hinweise auch Sorgen und Nöte aufzunehmen, zu helfen wo es nötig und möglich ist und dies in meine Arbeit einfließen zu lassen.
Daher biete ich regelmäßig Bürgersprechstunden an, besuche Vereine, Verbände und Vertretungen vor Ort. So stehe ich z.B. in ununterbrochenem Kontakt mit den Agenturen für Arbeit und führe einen regen Austausch mit den Stadtverwaltungen, Gemeindevertretungen und Kreistagen in meinem Wahlkreis und darüber hinaus.
Traditionsgemäß findet alljährlichjährlich unser Neujahrsempfang statt, und in der Sommerpause geht es per Fahrrad zweimal über mehrere Tage durch die Region. Auf der Tour machen wir Station in Betrieben, Vereinen und Institutionen und bieten Bürgern das Gespräch vor Ort an.
400 bis 600 Besucher, darunter zahlreiche Schülergruppen, aus meinem Wahlkreis empfange ich jährlich in Berlin um mit Ihnen zu diskutieren und ihnen einen Einblick in meine Arbeit in Berlin zu geben. Seit einigen Jahren nehme ich am parlamentarischen Patenschaftsprogramm zwischen dem Deutschen Bundestag und dem Kongress der USA teil. Hier haben Jugendliche meines Wahlkreises die Möglichkeit sich für ein Stipendium zu bewerben und ein Jahr in Amerika zu leben, lernen und zu arbeiten. Ich bleibe unterdessen mit ihnen in Verbindung.

Wie verläuft Deine Arbeit im Bundestag und seinen Ausschüssen?

Na ja, wie schon erwähnt, bin ich Mitglied des Haushaltsausschusses und deshalb liegt da natürlich auch der Schwerpunkt meiner Arbeit in Berlin.
Der Haushaltsausschuss gilt mit als der einflussreichste Ausschuss im Deutschen Bundestag, denn er entscheidet faktisch über die Bewilligung von Haushaltsmitteln, also grob gesagt darüber, wie viel Geld ein Bundesministerium für was ausgeben darf. Außerdem hat der Haushaltsausschuss ein Mitspracherecht bei allen Gesetzen, die mit Geldausgaben verbunden sind. Hat der Gesetzentwurf Auswirkungen auf den Haushalt, dann prüft der Haushaltsausschuss, ob die vorgesehene Maßnahme mit der Haushaltslage vereinbar ist. Wird das verneint und vom Bundestag bestätigt, so kann der Gesetzentwurf nicht weiter beraten werden.
Im Haushaltsausschuss wird die Arbeit so aufgeteilt, dass jedes Mitglied zu Beginn einer Wahlperiode einen bestimmten Teil des Bundeshaushaltes, einen so genannten Einzelplan, übernimmt und für die gesamte Wahlperiode Berichterstatter für diesen Einzelplan wird. Das kann z.B. der Haushalt des Verkehrs- oder des Landwirtschaftsministeriums, aber auch des Bundespräsidenten oder des Bundestages sein. Ich war in der vergangenen Wahlperiode für den Einzelplan 20 zuständig, das ist der des Bundesrechnungshofes.
Zuvor war mein Arbeitsschwerpunkt beim Haushalt Landwirtschaft, dem Einzelplan 10 angesiedelt. Die Berichterstatter sind sozusagen die Spezialisten für ihren Bereich des Haushalts, das heißt, was ich meinen Kollegen und Kolleginnen zum Bundesrechnungshof empfehle, wird in aller Regel so angenommen und bestimmt maßgeblich die Linie der SPD-Bundestagsfraktion.

Übrigens, wer sich allgemein dafür interessiert, wie so eine “typische” Sitzungswoche in Berlin aussieht, der kann das auf der Homepage des Bundestages nachlesen.

Verrätst Du uns auch etwas aus Deinem Lebenslauf und über Deine Lieblingsbeschäftigungen/Interessen in der Freizeit?

Geboren und aufgewachsen bin ich in Rostock. Beruflich habe ich nach dem Abitur zunächst eine Facharbeiterausbildung gemacht, später dann per Fernstudium Betriebswirtschaft an der Fachhochschule in Gotha studiert. Seit 1993 bin ich verbeamtet und habe zuletzt bis zu meinem Einzug in den Bundestag beim Rechnungs- und Gemeindeprüfungsamt im Landkreis Bad Doberan gearbeitet.
Ich bin verheiratet und habe einen erwachsenen Sohn. In meiner Freizeit widme ich mich hauptsächlich meiner Familie. Das ist gar nicht so leicht, da ich viel unterwegs bin und auch mein Mann durch seine Schichtdienste bei der Berufsfeuerwehr sehr eingebunden ist. Trotzdem bleibt uns genügend Zeit für kleine Ausflüge in die landschaftlichen Schönheiten Mecklenburg-Vorpommerns.
Ansonsten treibe ich viel Sport, vor allem gehe ich mehrmals in der Woche Schwimmen. Aber ich genieße es auch, mal alle Viere gerade sein zu lassen und bei einem Glas Wein ein gutes Buch zu lesen.

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