Bei der IHK gehen die Lichter aus

Die Industrie- und Handelskammern sollen und wollen eine Vielzahl von Aufgaben erfüllen. Neuerdings scheint dazu auch der Atomlobbyismus zu gehören. So veröffentlichten die 14 norddeutschen Regional-IHK ein Positionspapier, zu dem sich auch die IHK zu Rostock (und dem Landkreis Bad Doberan) in ihrer Monatszeitschrift bekennt, in dem gefordert wird:

“Die ideale Energieform für Norddeutschland sein ein Energie-Mix mit Anteilen konventioneller Energie einschließlich Kernenergie und regenerativer Energie.” Und weiter wird behauptet: “Um die selbstgesteckten Klimaschutzziele erreichen zu können, müsse deshalb der Ausstieg aus der Kernenergie überdacht werden. Ohne Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke könnten die vereinbarten Klimaschutzziele nicht erreicht werden.”

  • Quelle: Positionspapier der 14 Nord-IHK’s

Natürlich, einmal mehr muß die Debatte um den Klimawandel als Begründung für die Milliardengewinne der Atomlobby herhalten. Die macht den Reibach mit Atomstrom und hinterläßt der Nachwelt den auf tausende Jahre strahlenden Müll. Gehört die Verhinderung von radioaktiver Strahlung nicht auch irgendwie zu den Klimazielen, die zum langfristigen Überleben der Menschheit notwendig ist?

Neu ist mir, daß in Mecklenburg-Vorpommern Firmen ihren Sitz hätten, die am Ausbau und den Gewinnen der Atomindustrie ihren Anteil hätten. Bekannt ist mir nur, daß es bei Greifswald ein Zwischenlager gibt, weil weltweit noch keine Lösung zur Endlagerung des Strahlenmülls gefunden wurde. Mit normalem Müll lassen sich Millionen verdienen, mit Atommüll Milliarden.

Zur Untermauerung der Notwendigkeit von Atomstrom wird sogar die Arithmetik (zu deutsch: “Zahlenkunst”) bemüht. Da werden alle großen Kraftwerke Norddeutschlands addiert und deren Kapazität ins Verhältnis zum Verbrauch gestellt. Allerdings produziert der Norden gegenwärtig deutlich mehr Energie, als er verbraucht. Das paßt so gar nicht in die Argumentation. Also konstruiert projiziert man schnell ein düsteres Bild der Zukunft. Ab 2020 “drohen die Lichter in Norddeutschland auszugehen” meinen die Verfasser. Die blanke Panikmache meine ich.

Kein Wort vom europaweitem Stromverbund, an dem selbstverständlich auch Norddeutschland angeschlossen ist und bleibt. Kein Wort vom enormen Energiesparpotential, denn damit läßt sich Strom natürlich schlecht verkaufen. Am peinlichsten aber die Milchmädchenrechnung der Kapazitäten, in der lediglich Kraftwerke größer 100 MW aufgenommen sind. Als ob es nicht längst schon massenhaft in der Fläche kleinere Kraftwerke gäbe, in der Form von (jeweils kleineren) Blockheizkraftwerken, Windkraftwerken, Biomassekraftwerken, Geothermienutzung, Solarenergie uvam…

Fragt sich also, wessen Interesse die IHK’s eigentlich vertreten und insbesondere die IHK zu Rostock, Schwerin und Neubrandenburg? Verdienen die Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern eher am Atomstrom oder nicht vielleicht doch eher an den kleinen Lösungen? Ich hoffe, die Eigentümer, Geschäftsführer und die Belegschaften der heimischen Energiewirtschaft nehmen künftig mehr Einfluß darauf, was in ihrem Namen und mit ihren IHK-Pflichtbeiträgen so verkündet wird.

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